MoGo 2018

Motto: Träume erfahren

Gottesdienst mit Band

Die Lieder

Gruppe Motorradfahrer beim Beginn der Demo-Fahrt

Die Lesung

Als du einmal im Supermarkt nach Kressesamen suchst, entdeckst du ein kleines Tütchen. Paradiessamen steht da drauf. Du nimmst es mit und öffnest es zuhause, aber zu Deiner Enttäuschung ist es leer. „Wie albern!“, sagst Du zu Dir. Wie soll auch das Paradies in so ein kleines Tütchen passen.

Da entdeckst du auf der Rückseite eine Gebrauchsanleitung:

Dir fallen Deine Träume wieder ein, die großen und die kleinen. Du wiegst das Tütchen in der Hand und beschließt, Dein Leben zu ändern: Du legst einen Garten an, einen Paradiesgarten. Du sähst und gießt, aber Gott lässt wachsen. (nach 1.Korinther 3,6).

Die Predigt

Träume: unerfüllte Wünsche

Fast alle von uns haben Träume: unerfüllte Wünsche, denen wir jahrelang – manchmal jahrzehntelang – hinterherhängen. Wir träumen von:

So viele Träume, die wir so lange vor uns her schieben. Doch nun werden wir zu Paradiesgärtnern. Wir pflanzen unsere Träume ein und pflegen sie.

Mein erfüllter Traum

Ich selbst hatte als junger Mann damals – wie Eva - nur den Autoführerschein ohne Motorrad gemacht. Ich bereute es allerdings nicht 10 sondern 25 Jahre lang. Immer sagte ich mir: „Demnächst machst Du ihn. Nächstes Jahr ist die Zeit gut dafür.“ Und so gingen die Jahre dahin, der Traum lebte jedoch fort.

Plötzlich verstarb eine Nachbarin völlig überraschend mit Mitte 40. Das war der entscheidende Startschuss, den ich gebraucht hatte. Jetzt oder nie! Was weißt du schon, wie es Dir in ein paar Jahren geht.

Ich besorgte mir eine erste 50er zum angewöhnen und meldete mich mit 43 Jahren nach 25 Jahren Pause wieder in der Fahrschule an. Und da sitzt du dann mit den 16-jährigen.

Dank meiner Vorerfahrung und meinen Eifer dauerte es nicht lang und ich hatte Fahrprüfung. Der HERR meinte es gut mit mir: Die Sonne schien, der Prüfer war gut drauf und die Strecke enthielt keine größeren Schwierigkeiten. Alles easy…!

Warum verwirklichen wir unsere Träume nicht einfach?

Doch warum ließ ich diesen Traum 25 Jahre lang liegen? Warum erfüllte ich ihn mir nicht eher?

Erst war da die Schule, dann der Zivildienst, dann studierte ich, lernte meine Frau kennen, stieg ins Berufsleben ein, wurde Vater, …

So viele andere Dinge drängten in mein Leben und damit meinen Traum immer wieder zurück. Und genau das ist das Problem. Unser aller Leben ist voll mit anderen Dingen:

Doch Träume brauchen Platz!

Wir müssen für die Erfüllung unserer Träume andere Dinge aufgeben oder zurückdrängen. Träume werden nicht einfach wahr und drängen in das Leben. Wir müssen aktiv etwas dafür tun.

Wir müssen uns als Paradiesgärtner nicht nur die Verwirklichung unserer Träume erarbeiten. Wir müssen auch bereit sein, einem verwirklichten Traum den nötigen Platz in unserem Leben einzuräumen. Wir müssen unsere Komfortzone verlassen und unser Leben ändern. Und das tut in der Regel erstmal weh.

Ein verwirklichter Traum braucht Zeit: Für einen besonderen Urlaub sind wir mehrere Wochen weg und können andere Dinge nicht tun. Wir müssen andere Dinge unterlassen und dem Traum diese Zeit einräumen.

Ein verwirklichter Traum trennt uns von geliebten Menschen: Wenn ich auf meine Maschine steige und losfahre, lasse ich meine Familie zurück. Baue ich ein Haus im Grünen oder am Strand, ziehe ich weg von meinen Freunden, die noch in der Stadt leben. Menschen, die das nicht verstehen, wenden sich vielleicht von mir ab.

Die Verwirklichung eines Traums kann einen starken Einfluss auf unser soziales Umfeld haben. Wir müssen bereit sein, dies in Kauf zu nehmen.

Ein verwirklichter Traum kostet Geld: Fast nichts im Leben außer der Liebe ist geschenkt. Geld, das wir in die Verwirklichung eines Traums investieren, fehlt an anderer Stelle, fehlt vielleicht auch anderen Menschen. Ich gebe Geld aus, das meine Familie gebrauchen könnte. Meine Familie muss für mich und meinen Traum verzichten. Jedes Geld, das ich zusammen mit der Familie für einen gemeinsamen Traum ausgebe, hätte ich auch Spenden können.

Das heißt, für unseren Egoismus müssen aus verschiedenen Gründen andere kürzer treten – sei es die eigene Familie oder Bedürftige. Dies ist eine Entscheidung, die ich jedes Mal wieder bewusst treffen muss.

Und ich sage: Ja, wir müssen für die Erfüllung unserer Träume vorübergehend zu Egoisten werden. Bei aller christlicher Nächstenliebe und Hingabe brauchen wir auch Momente für uns und müssen unseren Akku auch mal wieder mit der Erfüllung eines Traums aufladen. Wer immer nur gibt, ist irgendwann ausgebrannt.

Der erste Schritt zur Verwirklichung unseres Traums

All dies macht es schwer, den ersten Schritt zu tun; zu sagen: “Ja, ich verwirkliche meinen Traum!“ Aber wenn ihr es nicht tut, werdet Ihr nicht glücklich werden.

Auf die Frage nach dem richtigen Augenblick bekam ich diesen Sommer eine sehr einfache Antwort: Meine Freunde schenkten mir zum Geburtstag eine Karte mit dem Satz: „Das Leben ist zu kurz für irgendwann.“

Wenn Ihr hier aufsteht, nehmt das Heft in die Hand und zieht los. Überlegt Euch, welchen Traum Ihr verwirklichen wollt und beginnt, ihn umzusetzen. Spart Geld, wenn er Geld kostet. Sucht Euch Begleitung, wenn es eine spannende und lange Reise ist. Redet mit Verwandten und Freunden, wenn die Erfüllung auch die betrifft.

Martin Luther sagte einmal: „Wie schnell sich doch ein >nicht jetzt< in ein >niemals< verwandelt…“

Säht Euren Traum und der HERR wird ihn für Euch wachsen lassen. Glaubt an Euren Traum, glaubt an Gott. Und mit Gottes Hilfe werden Eure Träume wahr werden.

Also hört auf zu warten! Auf mehr Zeit! Auf mehr Geld! Auf die richtige Gelegenheit! Werdet zu Paradiesgärtnern und zieht mit Gottes Unterstützung Eure Träume auf.

Die Geschichte von Oli

Ein ehemaliger Arbeitskollege von mir beschloss eines Tages, dass sein Leben ein grundlegend anderes sein sollte. Er wollte frei sein, selbständig sein, sein Leben selbst gestalten. Er wollte alleine entscheiden, was und wo er arbeitet und mit wem er arbeitet.

Nachdem er ein wenig Startkapital angespart hatte, kündigte er nicht nur seinen Job. Um finanziell unabhängig zu sein, verkaufte er seinen BMW, kündigte fast alle seine Versicherungen und zog in eine deutlich kleinere Wohnung in einer günstigeren Gegend.

Er lebt seit dem seinen Traum. Ich weiß nicht, ob er glücklich ist. Gemäß Punkt 2 des Abschnitts „Träume brauchen Platz“ haben wir uns aus den Augen verloren. Er hinterlässt aber eine deutliche Spur im Internet und ich weiß, dass er heute nach 15 Jahren noch so lebt, wie er es sich damals vorgenommen hatte.

Der Kollege hat auf Geld verzichtet und sein soziales Umfeld beschnitten, um seinen Traum zu leben. Er hat sich damit deutlich mehr Zeit erkauft, um seinen Traum umsetzen zu können – um seine innere Mitte zu finden. Er hat meinen höchsten Respekt.

Du sähst, ein anderer lässt wachsen.

Gott ist bei uns. Er unterstützt und er hilft uns. Es gibt wohl kaum einen Text aus der Bibel, der bekannter ist als der Psalm 23:

Der HERR ist mein Hirte, mir wird es an nichts mangeln.

Er führt mich zum frischen Wasser und erquickt meine Seele.

Wovon wir träumen

Die wenigsten Menschen sind wirklich zufriedene Menschen, die ihre innere Mitte gefunden haben. Das ist ein hohes Ziel, oft ein weit entferntes Ziel.

Bei Google gibt es allein auf Deutsch 17,5 Millionen Treffer zu dem Begriff „Innere Mitte“. Das sind mehr Treffer als für die Stichworte „Weltfrieden“ und „Armut“ zusammen! Mehr Treffer als für Stichworte wie „Gnade“ oder „Güte“.

Aber Suchworte wie „Familie“, „Gesundheit“ und „Liebe“ liegen mit jeweils über 100 Millionen Treffern noch deutlich davor. „Haus“ und „Auto“ haben jeweils über 1 Milliarde Treffer. Das sind die Dinge, von denen wir wirklich Träumen. Alles Dinge mit deutlich mehr Treffern als der Begriff „Frieden“.

Das Risiko des Scheiterns

Auf dem Weg zu unserem Ziel können wir auch scheitern – ohne Frage. Um in der Metapher des Blumenbeets zu bleiben, drohen schlechter Boden, Pilzbefall, Läuse, Sturm und vieles mehr.

Die Gefahr zu scheitern darf uns aber nicht davon abhalten zu beginnen. Wer etwas riskiert, kann verlieren. Wer aber nichts riskiert, hat bereits verloren, denn in seinem Leben wird sich nie etwas ändern und Träume werden sich nie erfüllen.

Nicht jeder wird Euch auf Eurem Weg stützen und unterstützen. Es gibt immer Leute, die sagen: „Das schaffst du nie!“. Man muss aber nicht auf jeden Pessimisten oder Dummschwätzer hören.

Im 2.Timotheus 1,7 steht geschrieben:

„Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

Also fürchtet Euch nicht, sondern arbeitet mir Kraft, mit Liebe und mit Besonnenheit an der Erreichung Eurer Ziele – und es wird gelingen.

Der französischer Dramatiker Marcel Aymé sagte einmal: „Das größte Vergnügen im Leben besteht darin, Dinge zu tun, die man nach Meinung anderer Leute nicht fertig bringt!“ Also, vergnügt Euch!

Umdenken

Vielleicht erkennt Ihr auf dem Weg zur Erfüllung Eures Traums aber auch, dass Ihr nicht bereit seid, das aufzugeben, was ihr dem Traum opfern müsstet. Dann liegt die Entscheidung ganz offen bei Euch. Ist der Traum aus Eurer Sicht die Opfer nicht wert, so habt ihr gute Gründe, diesen Traum aufzugeben oder zurück zu stellen. Aufgeben ist keine Schande, wenn es nicht aus Angst vor den zukünftigen Hindernissen geschieht, sondern weil eine rationale Analyse zum Umdenken zwingt.

Der Weg ist steinig. Er kann misslingen, aber Scheitern ist ausdrücklich erlaubt. Was passiert denn, wenn Ihr scheitert: Nichts.

Ihr stellt fest, dass ein Traum sich nicht verwirklichen lässt. Entweder gar nicht oder nicht jetzt. Liegt es am Zeitpunkt, könnt ihr den Traum weiter träumen. Ist er gar nicht umsetzbar, so habt ihr den Kopf wieder frei für andere Dinge – andere Träume.

Doch die Erfüllung von Träumen lohnt sich. Je mehr Hindernisse Du auf dem Weg beseitigt hast, desto besser fühlt sich der verwirklichte Traum hinterher an. Die Erfüllung von Träumen schenkt inneren Frieden. Und innerer Friede ist eine von vielen Grundlagen, um glücklich zu sein.

Traum und Wirklichkeit

Was ist nun, wenn denn ein Traum wahr wird? Manchmal sieht die Realität anders aus als erträumt. Ein erfüllter Traum kann auch eine Enttäuschung sein. Wer von einer Dschungeltour in Südostasien träumt, hatte die Moskitos in der Regel nicht im Traum vorher eingeschlossen.

Manchmal entwickelt sich ein Traum auch weiter. Ein erfüllter Traum heißt nicht, dass man einen Traum weniger hat. Oftmals ergeben sich neue Möglichkeiten und aus einem erfüllten Traum werden zwei oder drei neue.

Ich habe den Motorradführerschein gemacht und bin erste Touren gefahren. Der Traum wurde wahr. Doch nun geht es um größere Maschinen und weiter entfernte Ziele. Vom Nordkap bis zu den Alpen kann ich mir viel vorstellen. Und so habe ich wieder Träume, die auf ihre Verwirklichung warten. Ich hoffe, dass es nicht wieder 25 Jahre dauert. Aber was wäre das Leben ohne Träume…

Schlussworte

Wie haben gehört, dass der Herr uns bei unseren Träumen hilft, aber nicht einfach für uns macht.

Dann, und nur dann, wird Gott unsere Träume auch wahrmachen.

Samentütchen sind Wundertüten. In Ihnen krümeln sich winzige, schrumpelige, schwarzbraune, unansehnliche Klümpchen und Körnchen. Manche sind so klein, dass man sie mit der Pinzette herausfischen muss. Doch gekonnt gesät, gegossen, gehegt und gepflegt entpuppen sie sich zu den wunderbarsten Geschöpfen.

Übrigens: Beim Schreiben der Predigt kannte Word das Wort Kressesamen nicht. Beim Korrektur-Vorschlag von Microsoft las ich erstaunt: Krasses Amen. Mit diesen Schlussworten und in diesem Sinne wünsche ich Euch, dass Ihr Eure Träume angeht und mit Gottes Hilfe verwirklicht bekommt. Alles ist möglich!

Amen