MoGo 2017

Motto: Auf allen Wegen

brennende Kerzen auf einem Sandweg

Die Lieder

Gruppe brennender Kerzen

Die Lesung

Apostelgeschichte 8, Vers 26-39 in einfachem Deutsch

Philippus war einer der 7 Diakone, den die Apostel in Jerusalem zu Ihrer Unterstützung eingesetzt hatten. Er wurde von Gott an die Straße von Jerusalem nach Gaza geschickt. Nach einiger Zeitüberholte ihn ein Wagen undwieder sprach Gott zu Philippus: "Lauf hin und folge diesem Wagen!"

Als Philippus den Wagen eingeholt hatte, sah er im Wagen den Kämmerer (Finanzverwalter) von Äthiopien sitzen. Dieser war in Jerusalem gewesen, um Gott anzubeten.

Philippus erkannte den biblischen Text, den der Mann las und fragte den Kämmerer: "Verstehst Du denn, was Du da liest?". Der Äthiopier hob den Kopf und antwortete: "Wie sollte ich, wenn mir niemand hilft!"

Da stieg Philippus ein und verkündete dem Mann die gute Nachricht von Jesus. Zu guter Letzt taufte Philippus den Kämmerer sogar und die beiden gingen wieder getrennte Wege.

Die Predigt

Zwei Reisende, die sich für ein kurzes Stück des Weges treffen und austauschen. Dies ist eine 2000 Jahre alte Geschichte, die so auch heute noch jeden Tag millionenfach passiert. Allerdings teilen diese beiden Reisenden eine besondere Erfahrung. Sie erfahren Gott und seine Offenbarung. Lasst uns auf die Menschen schauen. Wer waren denn die beiden Reisenden und wie kamen Sie zusammen?

Philippus war einer der sieben Diakone, den die Apostel in Jerusalem zu ihrer Unterstützung einsetzten. Das Anforderungsprofil war knapp, aber anspruchsvoll: Guter Ruf und voll des Geistes und der Weisheit. Er war also ein gebildeter und gottesfürchtiger Mann. Sicherlich zu seiner Zeit in der Gegend auch durchaus bekannt.

Was wissen wir über den Kämmerer? Nicht wirklich viel, aber dennoch Verblüffendes. Er ist Schatzmeister der äthiopischen Königin Kandake, Finanzchef eines Königreichs. Er fährt einen Wagen und liest ein Buch, für einen Finanzspezialisten noch nichts Besonderes. Das Besondere folgt: Er gesteht sich selbst ein, dass er Hilfe braucht. Und als sie ihm angeboten wird, nimmt er diese Hilfe auch bereitwillig an.

Gott selbst führt diese beiden Männer zusammen. Er schickt Philippus auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza führt. Die Straße ist einsam; es herrscht dort wenig Verkehr. Aber Philippus macht sich nicht umsonst auf den Weg. Er sieht den Wagen des Kämmerers und 3 an dieser Stelle der Erzählung greift Gott zum zweiten Mal ein und sagt: "Geh hin und halte Dich an diesen Wagen!" Lasst und gemeinsam genauer hinschauen, wer denn da im Wagen saß.

Der Kämmerer ist auf einer langen Reise. Er ist extra von Äthiopien nach Jerusalem gereist, um zu beten und Gott näher zu kommen. So eine Reise machte man damals nicht mal eben so. Die dauerte sicherlich Wochen. Da wird sein Jahresurlaub weg gewesen sein. Dennoch hat er die gesamte Reise angetreten mit dem Ziel, Gott besser kennen zu lernen und ihm näher zu kommen. Er war offen für das unerwartete Zusammentreffen mit einem Fremden und machte dadurch eine unvergleichliche Erfahrung.

Natürlich kommt in der Bibel kein Motorrad vor, aber die Art des Gefährts spielt für die Geschichte auch überhaupt keine Rolle. Sie funktioniert, egal ob die beiden Wandern, Kutsche fahren, Radfahren, Biken oder im Auto sitzen. Auch wenn sich unsere Verkehrsmittel gewandelt haben, so haben sich gewisse Dinge doch nicht geändert. Wenn wir uns auf eine Reise begeben, wissen wir auch heu-te nie, was uns erwartet. Egal wie gut wir etwas planen, es kommt doch immer anders als gewollt. Wir haben Pannen, Unfälle, verfahren uns oder treffen unerwartet Menschen, die uns berühren – sei es positiv oder negativ. Wir treffen auf Menschen bei der Rast, bei der Einkehr, beim Tanken, wenn wir vielleicht auch mal nach dem Weg fragen müssen. Stehen wir diesen Begegnungen offen gegenüber, werden wir sehr oft positiv überrascht werden.

Wenn wir solche Begegnungen zulassen und uns auf solche Erlebnisse einlassen, kann jede Reise zu einem Abenteuer – vielleicht sogar zu einer Offenbarung – werden. Deshalb die Bitte an Euch: Sprecht mit den Menschen, die Ihr auf der Reise trefft. Tauscht Euch aus und lernt sie – wenn auch nur kurz – kennen. Versteht eine Panne oder ein Verfehlen des geplanten Weges nicht als Missgeschick, das Euch widerfährt, sondern als Chance, neue Wege kennenzu-lernen, neue Landschaften zu entdecken und neue Men-schen zu treffen. Es ist leider deutsche Mentalität, in allem erstmal das Negative zu sehen. Davon sollten wir uns drin-gend lösen. Erlebt Gott in der Schönheit der Landschaft, der Überraschung des unbekannten Weges, der Euch doch auch irgendwie ans Ziel führt und im unerwarteten Kontakt mit unbekannten Menschen.

Gemälde mit Philippus und dem Kämmerer

Auch ich selbst erlebe auf meinen Touren immer wieder Gottes Werk, gerade dann, wenn ich es am wenigsten erwarte. Ein kleines Erlebnis möchte ich mit Euch teilen:

Vor fast genau einem Jahr war ich auf dem Weg zum ersten Vortreffen für diesen MoGo. Ich kam direkt von der Arbeit, hatte noch nichts gegessen und die Zeit war knapp, wie es im Alltag halt oft so ist. Ich hatte 10 Minuten Luft und hielt vor dem Croque-Laden drüben in der Waldstraße. Beim Einparken stieß ich ein kleines Stoßgebet aus, der Laden möge leer sein, damit ich zeitlich hinkäme. Was glaubt Ihr? War der Laden leer? --- Natürlich nicht! Überall saßen und standen Leute. Und alle Plätze in den Öfen waren mit Croques gefüllt. Es war klar, in der nächsten Viertelstunde würde ich hier nichts zu essen bekommen.

Ich zweifelte an Gott und dachte für mich: "Ich opfere meine knappe Freizeit und bin auf dem Weg zu Deinem Haus, um eine Feier zu Deinen Ehren vorzubereiten – und Du gönnst mir nicht mal ein Stück Brot, Alter!". Ich war bedient.

Als ich mich gerade zum Gehen wenden wollte, sagte der Mann ganz vorne in der Schlange: "Sie haben ja einen ganzen Croque gemacht! Ich wollte doch nur einen halben! Das esse ich nie auf!" --- Ich machte spontan kehrt, hob meinen Finger und bot mich an, das Problem zu lösen. Der Mann war dankbar, dass der Rest nicht weggeschmissen werden musste, und wollte nicht mal Geld dafür haben. Ich war innerhalb von 3 Minuten nach dem Einparken mit einem halben Croque wieder draußen und musste ihn nicht mal bezahlen.

Mal ehrlich: Wer war schon mal unter Zeitdruck im Fast-Food-Restaurant, lange Schlange vor sich, verzweifelter Blick in den Augen und der Typ am Tisch nebenan sagt: "Ey, ich hab zu viel. Willst Du was ab?" Das ist so abgedreht, hätte ich mir was ausdenken sollen, wäre ich sicherlich nicht auf so etwas gekommen. Der Mann war definitiv kein gläubiger Christ oder regelmäßiger Kirchgänger. Es war ein klassischer Proll mit Zuhälter-Kettchen und tiefergelegter Reisschüssel vor der Tür. Er hatte in bester christlicher Manier mit mir das Brot gebrochen und einen Hungrigen satt gemacht.

Da hatte es mir Gott aber gegeben! Wie hatte ich nur zweifeln können? Solche kleinen Erlebnisse machen mir Gottes Wirken unterwegs immer wieder erlebbar. Wie beim Kämmerer muss man solche Dinge zulassen und sich drauf einlassen, um das erleben zu können.

Schimpft nicht auf einen plötzlichen Wetterumschwung, sondern seht die Chance, bei einer unerwarteten Reiseun-terbrechung unerwartete Begegnungen zu erleben. Und sei es nur die Bedienung im Landgasthof oder die Privatperson, wo Ihr um Obdach bis nach dem Schauer bittet. Was wäre gewesen, wenn der Kämmerer Philippus weggeschickt hätte oder auf die Frage von Philippus eingeschnappt reagiert hätte? Wäre es dann jemals zu seinem Offenbarungserlebnis und der Taufe gekommen? Wahrscheinlich nicht.

Gemälde einer Erwachsenentaufe in einem Fluss

Es geht hier auch um die Taufe und ihre Bedeutung für den Glauben, denn der Kämmerer lässt sich am Ende aus Überzeugung taufen. 3 In der Taufe sagt der Mensch Ja zu Jesus und schließt mit ihm einen Bund. Ab jetzt will er zusammen mit Christus leben. Das bekennt er öffentlich durch seine Taufe. Damit ist die Taufe nicht nur eine Reinigung von der Sünde, sondern auch ein öffentliches Bekenntnis zu Christus.4 Sie ist der Beginn eines neuen Weges. Jemand steht an einer Kreuzung seines Lebens und entscheidet sich aktiv für Jesus. Möge jeder, der diesen Weg einschlägt, Gottes Schutz und unsere Unterstützung erfahren auf allen Wegen.

Wenden wir uns Philippus und seinem Verhalten zu. Philippus hat ein offenes Ohr für die Anweisungen Gottes und folgt ihnen. Er stellt sich an eine fast ungenutzte Straße und wartet auf einen der wenigen Reisenden. Er rennt dem Wa-gen sogar hinterher. Er sucht aktiv den Kontakt zu dem ihm unbekannten Reisenden, geht auf ihn zu und redet über Jesus und Gott. Und so ermöglicht Philippus dem Reisenden die Offenbarung und tauft ihn. Philippus steht unerschütterlich zu Gott, glaubt an ihn und gehorcht. Er lässt es zu, in ein unerwartetes Abenteuer getrieben zu werden, von dem er weder Verlauf noch Ausgang vorhersehen kann.

Lasst uns alle wenigstens ein bisschen wie Philippus sein!

Ihr nehmt ein rotes Band von diesem MoGo mit, das Ihr an Euren Maschinen befestigt. Es ist weithin ein Zeichnen, dass Ihr im Namen und unter dem Schutz Gottes reist. Nutzt dieses sichtbare Zeichen und redet mit anderen über Eure Erlebnisse auf dem Motorrad-Gottesdienst und mit Gott. Tragt Gott in Euren Herzen und hinaus in die ganze Welt, so könnt auch Ihr anderen derartige christliche Erlebnisse ermöglichen.

Dies ist nicht nur ein Geben, sondern Ihr werdet auch jede Menge zurückbekommen. Durch das Sprechen über Gott wird Euch auch selber viel mehr bewusst und Ihr habt auch selbst die Möglichkeit, Euren Glauben zu vertiefen. Viele Dinge macht man sich auch selber erst klar, wenn man sie mal laut ausgesprochen hat.

Ich bin echt kein Missionar. Ich würde niemals unaufgefordert mit Dritten über Gott und meine persönliche Glaubensauffassung reden. Dennoch hatte auch ich ein solches Erlebnis:

Beim Besuch einer Kirche in Österreich vor knapp 20 Jahren kam ich mit einer jungen Frau ins Gespräch. Sie fragte mich, wie ich mir Gott vorstellen würde und was ich unter Gott verstehen würde. Für mich kam dieses Gespräch gänzlich unerwartet, aber ich öffnete mich und sprach mit Ihr darüber. Das erste Mal im Leben sprach ich meine Gedanken zu Gott offen aus. Es brachte mir selbst eine unerwartete und unglaubliche Klarheit in meinem eignen Glauben. Ich fing danach an, über viele Dinge nachzudenken, und im Endeffekt war ich für mich selbst deutlich klarer in meinem Glauben, obwohl das gar nicht meine Intention war.

Die Frau hatte keine fertige Meinung und wollte auch nicht diskutieren. Sie war einfach nur als Touristin in der Kirche. Es stellte sich heraus, dass sie kein Kirchenmitglied war, tatsächlich keine Vorstellung von Gott hatte und ganz offen Denkanstöße haben wollte. Ich habe den Kontakt zu ihr gehalten und weiß, dass sie viele Jahre später tatsächlich in die Kirche eintrat, heute aktiv in ihrer Gemeinde ist und im Kirchenchor singt. So etwas plant man nicht, es passiert. Und das ist toll.

Wir haben eine 2000 Jahre alte Begebenheit beleuchtet und es lässt sich daraus doch immer noch so unendlich viel für die Gegenwart herausziehen. Wir haben die Möglichkeit, auf unseren Touren wahlweise abwechselnd eine der beiden Seiten einzunehmen und so Gottes Offenbarung erlebbar – ja erfahrbar im wahrsten Sinne des Wortes – zu machen.

Erfahren wir göttlichen Einfluss, so sind wir wie der Käm-merer: Auf der Reise, unseren Glauben zu vertiefen und zu festigen. Lasst uns, wie er, immer offen für das Unerwartete sein. Sprechen wir über Gott und verbreiten sein Wort, so sind wir wie Philippus: Auf der Reise, unseren Glauben zu teilen mit anderen. Lasst uns wie er immer bereit sein, über Gott und Jesus und unsere Erlebnisse mit ihnen mit den Menschen zu sprechen.

Amen